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Arteria axillaris: Aufbau, Verlauf, Funktion und klinische Bedeutung

Die Arteria axillaris gehört zu den zentralen Gefäßen der oberen Extremität. Sie ist der Fortsetzung der Subclaviaarterie im Bereich der Achselhöhle (Achselregion) und versorgt after erfolgreiche Verbindungen große Teile des Oberarms, der Schultergürtelmuskulatur sowie die Haut und Schleimhäute im Bereich des Brustkorbs. Das Verständnis der Arteria axillaris ist essenziell für Mediziner, Therapeuten und alle, die sich für menschliche Anatomie und Notfallmedizin interessieren. In diesem Beitrag erfahren Sie ausführlich über Aufbau, Verlauf, Äste, Funktion, typische Krankheitsbilder und diagnostische wie therapeutische Möglichkeiten rund um die Arteria axillaris.

Anatomie der Arteria axillaris

Die Arteria axillaris ist die Fortsetzung der Subclaviaarterie nach dem Rand des ersten Rippenbogens. Sie beginnt am lateralen Rand der ersten Rippe bzw. hinter dem Musculus Clavicle und endet, wenn sie unterhalb des Musculus Teres major in die Arteria brachialis übergeht. In der Achselhöhle teilt sich die Arteria axillaris typischerweise in drei Abschnitte, die jeweils spezifische Äste liefern.

Ursprung und Verlauf

Der Ursprung der Arteria axillaris liegt unmittelbar hinter dem Clavicle, dort wo die Subclaviaarterie in den Achselbereich eintritt. Von hier aus führt sie durch die Axilla in Richtung Arm. Der Verlauf ist eng mit dem Schultergürtel verbunden, weshalb die Arterie axillaris eng an benachbarten Strukturen wie Muskeln, Nerven und Lymphknoten vorbeiführt. Ihr Verlauf ist daher besonders in Notfallsituationen wie Schulterluxationen oder Claviculafrakturen von Bedeutung, da Gefäßverletzungen auftreten können, die eine schnelle Diagnostik und Behandlung erfordern.

Aufteilung in drei Abschnitte und typische Äste

In der Regel wird die Arteria axillaris in drei Teile unterteilt, je nachdem, ob sie vor, hinter oder distal des Musculus Pectoralis Minor liegt. Diese Unterteilung hat Relevanz für die Zuordnung der Gefäßäste. Die wichtigsten Äste der Arteria axillaris heißen:

  • Erster Teil (proximal zum Musculus Pectoralis Minor): Arteria thoracica superior (superiore Brustwandarterie) als Hauptäste
  • Zweiter Teil (posterior des Pectoralis Minor): Arteria thoracoacromialis trunk, Arteria thoracica lateralis
  • Dritter Teil (distal zum Pectoralis Minor): Arteria subscapularis, Arteria circumflexa humeri anterior und Arteria circumflexa humeri posterior

Weitere Abzweigungen können individuell variieren, und manche Menschen zeigen kleine zusätzliche Äste oder abweichende Verteilung. Solche Variationen sind in der Praxis bekannt und können Einfluss auf die Versorgung einzelner Muskelgruppen haben.

Äste der Arteria axillaris im Detail

Im ersten Teil der Arteria axillaris entspringt typischerweise die Arteria thoracica superior, die die obere Brustwand und angrenzende Muskelgruppen versorgt. Im zweiten Teil erfolgt die Bildung des Truncus thoracoacromialis, der in mehrere Äste aufgeteilt ist, darunter:

  • Arteria thoracoacromialis (dividiert in Thorakale, Claviculare, Acromialis, Deltoidea)
  • Arteria thoracica lateralis (versorgt seitliche Brustwand und Mammaregion)

Der dritte Teil liefert die Arteria subscapularis, die sich weiter in Arteria circumflexa scapulae und Arteria thoracodorsalis aufgliedern kann. Zusätzlich verlaufen hier die Arteriae circumflexae humeri anterior und posterior, die den Oberarmkopf sowie umliegende Muskeln versorgen. Die Terminaläste – insbesondere die Arteria circumflexa humeri posterior – sind für die Versorgung des Schultergelenks und der Rotatorenmanschette von zentraler Bedeutung.

Kollaterale Strukturen und Variationen

Neben den Hauptästen existieren oft kleine Kollaterale, die in der Lage sind, Umgehungsverbindungen bei Verlegungen zu bilden. Variationen in der Gefäßführung treten relativ häufig auf und können die klinische Symptomatik beeinflussen. Eine gut dokumentierte Variation ist die erhöhte Bedeutung bestimmter Äste wie der Arteria circumflexa humeri anterior, die in manchen Fällen stärker ausgebildet ist und die Versorgung des vorderen Schultergelenks übernimmt.

Funktion und Versorgungsgebiet der Arteria axillaris

Die Arteria axillaris liefert Blut in wichtige Strukturen der Schulterregion und des Oberarms. Dazu zählen:

  • Muskelgruppen des Schultergürtels (z. B. Musculus deltoideus, Musculus pectoralis major, Musculus serratus anterior, Musculus latissimus dorsi teilweise)
  • Gelenke der Schulter, insbesondere das Schultergelenk und die Rotatorenmanschette
  • Haut und Gewebe der Achselhöhle, auch Teile der Brustwand

Durch ihr Netzwerk von Ästen sorgt die Arteria axillaris dafür, dass der obere Extremität robuste Blutzufuhr erhält. Die Versorgung wird durch das kooperative Zusammenspiel mit der Arteria subclavia, der Arteria brachialis und den Kollateralen im Schultergürtel gewährleistet. Wird die Arteria axillaris in ihrer Funktion beeinträchtigt, kann dies zu einer Minderversorgung des Armes führen, was sich in Schmerzen, Blässe oder Lähmungszeichen äußern kann.

Klinische Relevanz der Arteria axillaris

Verletzungen, Gefäßerkrankungen und strukturelle Veränderungen im Achselbereich können die Arteria axillaris betreffen. Typische klinische Szenarien umfassen:

Verletzungen und Traumata

Verletzungen der Arteria axillaris treten oft im Rahmen von Unfällen mit Schultergürtel- oder Rumpfverletzungen auf, z. B. durch Frakturen der Clavicula, Luxationen der Schulter oder schwere Rumpfverletzungen. Eine Traumaverletzung kann zu akuterarterieller Blutung führen, die eine rasche medizinische Intervention erfordert. Symptome umfassen Tachykardie, Hypotonie, kalte Gliedmaßen, Blässe oder Taubheitsgefühle im Arm. In solchen Fällen ist eine schnelle Blutstillung, Diagnostik und Gefäßreparatur essenziell.

Stenosen, Aneurysmen und arteriovenöse Anomalien

Weniger häufig, aber bedeutsam sind Stenosen oder Aneurysmen der Arteria axillaris. Risikofaktoren sind arterielle Hypertonie, periphere Gefäßerkrankungen und wiederholte Traumata. Aneurysmen in der Axillarregion können pulsieren und zu Drucksymptomatik führen, während Stenosen den Blutfluss einschränken und Gewebeschäden verursachen können. Arteriovenöse Fisteln in der Axilla sind selten, können aber in Folge von Interventionen oder Verletzungen auftreten.

Andere relevante Probleme im Bereich der Axilla

Zusätzlich zu Gefäßverletzungen können Lymphknotenveränderungen die angrenzenden Gefäße beeinflussen. Großes Lymphgewebe oder Entzündungen in der Achselhöhle können Druck auf die Arteria axillaris ausüben und die Durchblutung beeinträchtigen, insbesondere in Regionen, in denen die Gefäße eng gepackt sind.

Diagnose und Bildgebung der Arteria axillaris

Bei Verdacht auf eine Beeinträchtigung der Arteria axillaris kommen verschiedene diagnostische Methoden zum Einsatz. Die Wahl hängt vom klinischen Verdacht, dem Zustand des Patienten und der verfügbaren Technik ab.

Anamnese und klinische Untersuchung

Bei der Untersuchung der Arteria axillaris werden Pulsationen in der Armbereich und in der Achselhöhle geprüft. Die Durchblutung des Armgefäßsystems lässt sich durch das Abtasten von Arterien verhärteter Haut, Blässe der Haut oder Temperaturunterschiede feststellen. Pufferzonen im Arm und Schultergürtel geben Hinweise auf die Qualität der Durchblutung der Arteria axillaris.

Bildgebende Verfahren

Die Doppler-Sonografie ist oft der erste Schritt, um Flussgeschwindigkeit und Richtung der Arteria axillaris zu beurteilen. Für detaillierte Strukturbilder kommen CT- oder MR-Angiografie zum Einsatz. In akuten Fällen kann auch eine catheterbasierte Digitale Subtraktionsangiografie (DSA) erfolgen, insbesondere wenn eine Gefäßintervention vorgesehen ist. Diese Bildgebungsverfahren ermöglichen es, Stenosen, Aneurysmen oder Verletzungen der Arteria axillaris präzise zu lokalisieren und den Behandlungsplan zu erstellen.

Differentialdiagnose

Beim Verdacht auf Gefäßprobleme in der Achselregion sollten andere Ursachen nicht übersehen werden, z. B. Kompression der Gefäße durch Muskelstrukturen, Entzündungen der Gefäßwand oder Druck durch Lymphknotenveränderungen. Die korrekte Abgrenzung ist wichtig, um eine geeignete Behandlung zu planen.

Therapie und Behandlung der Arteria axillaris

Die Behandlung der Arteria axillaris richtet sich nach der Art der Störung. In akutem Trauma steht die zeitnahe Blutstillung und Defektdeckung im Vordergrund, während bei Gefäßerkrankungen eher endovaskuläre oder offene operative Ansätze gewählt werden.

Notfallmaßnahmen und akute Versorgung

Bei schweren Verletzungen oder arterieller Blutung in der Achselhöhle ist eine sofortige Notfallversorgung entscheidend. Maßnahmen umfassen Druckverband, schnelle Transport in ein Gefäßzentrum und zeitnahe operative oder endovaskuläre Intervention. Die Stabilisierung des Kreislaufs und die Vermeidung weiterer Blutverluste stehen im Vordergrund.

Operative und endovaskuläre Therapien

Im Rahmen einer Gefäßverletzung der Arteria axillaris stehen offene Operationen (z. B. Gefäßreparatur, Bypass) sowie endovaskuläre Verfahren (Stentgraft, Ballonangioplastie) zur Verfügung. Die Wahl hängt von der Art der Verletzung, der Gewebequalität und der Begleitung anderer Verletzungen ab. Endovaskuläre Behandlungen bieten oft Vorteile wie geringere Invasivität und schnellere Genesung, während offene Operationen unter Umständen bessere Langzeitergebnisse bei bestimmten Verletzungsformen liefern können.

Behandlung von Stenosen und Aneurysmen

Bei Stenosen oder Aneurysmen der Arteria axillaris kommen in der Regel interventionelle Methoden zum Einsatz, wie die Ballonangioplastie mit oder ohne Stent oder eine operative Rekonstruktion. Die Behandlung erfordert eine enge Abstimmung mit Gefäßchirurgen sowie eine sorgfältige Bildgebung vor der Intervention.

Prävention, Rehabilitation und Langzeitbetreuung

Zur Prävention von Gefäßkrankheiten der Arteria axillaris gehören allgemeine Maßnahmen der Herz-Kreislaufgesundheit, inklusive regelmäßiger Bewegung, gesunder Ernährung, Blutdruck- und Blutfettkontrollen sowie Rauchstopp. Nach einer Behandlung ist eine Rehabilitation wichtig, um Bewegungsfreiheit und Kraft der oberen Extremität wiederherzustellen. Physiotherapie kann helfen, Muskelfunktionen, Gelenkbeweglichkeit und Gefäßdurchblutung zu verbessern. Langfristige Nachsorgepläne werden individuell festgelegt und können regelmäßige Bildgebungen einschließen, um erneute Probleme frühzeitig zu erkennen.

Praktische Hinweise für Patientinnen und Patienten

Wenn Sie Anzeichen einer möglichen Gefäßproblematik im Bereich der Axilla bemerken, suchen Sie zeitnah medizinische Hilfe. Typische Warnzeichen sind plötzliche Arm- oder Schulter-Schmerzen, Taubheit, kalte oder blasse Haut, Schwäche des Arms oder schnelle Verschlechterung der Symptome nach Verletzungen. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung kann schwere Komplikationen verhindern und die Funktion der oberen Extremität besser erhalten.

Wichtige Begriffe rund um die Arteria axillaris

Um das Verständnis zu erleichtern, hier eine kurze Übersicht zu relevanten Begriffen rund um arteria axillaris:

  • Arteria axillaris (Axillalarterie): zentrale Schlagader im Achselbereich, Fortsetzung der Subclaviaarterie
  • Arteria subclavia: Vorgängerarterie, die in der Achselhöhle weiterführt
  • Musculus Pectoralis Minor: muskuläre Orientierungspunkt, an dem die Arteria axillaris in drei Abschnitte eingeteilt wird
  • Arteria circumflexa humeri (anterior und posterior): Äste, die den Oberarmkopf und die Rotatorenmanschette versorgen
  • Arteria thoracoacromialis trunk: versorgt Brustwand, Schultergürtel und Schulter

Fazit

Die Arteria axillaris ist ein zentrales Gefäß der oberen Extremität, das in der Axilla eine komplexe Ästengestaltung besitzt und eine breite Versorgung des Schultergürtels, der Rotatorenmanschette und des Oberarms gewährleistet. Das feine Zusammenspiel der drei Abschnitte mit den Ästen ermöglicht es, Muskeln, Gelenke und Haut im Areal der Achselhöhle zuverlässig mit Blut zu versorgen. Verletzungen, Stenosen oder Aneurysmen der Arteria axillaris sind medizinisch bedeutsam und erfordern eine sorgfältige Diagnostik und individuelle Therapien—von Notfallmaßnahmen über endovaskuläre Eingriffe bis hin zu offenen rekonstruktiven Operationen. Ein gutes Verständnis dieser Gefäßstruktur hilft nicht nur Fachärzten, sondern auch Laien, die Bedeutung der Arteria axillaris im Körper zu schätzen und fundierte Entscheidungen bei gesundheitlichen Fragen rund um den Schulterbereich zu treffen.